Brückenschlag zwischen Morgen- und Abendland

361 Jahre nach der Verkündigung des Westfälische Friedens von der Treppe des Osnabrücker Rathauses - eines der wichtigsten Ereignisse in der deutschen Geschichte und Meilenstein auf dem Weg zu einer europäischen Friedensordnung - wurde im gleichen Haus am 23.8.2009 ein neuer, geographisch noch weiter reichender Vertrag unterzeichnet.

Repräsentanten hochkarätiger Musikfestivals und verwandter Projekte aus Pakistan, Syrien, Iran, den Niederlanden, Österreich, den Vereinigten Staaten und Deutschland haben eine neue Plattform gegründet, um künftig enger zusammen zu arbeiten. Sie wollen Informationen, Produktionen, Know-How etc. teilen und austauschen und so dazu beizutragen, auf Augenhöhe eine Brücke zwischen Orient und Okzident zu schlagen.


Verabredet wurde dies auf der zweitägigen Konferenz „Bridging Cultures Through Music - Towards an International Network of Festivals“ im Rahmen des Morgenland Festival Osnabrück, das in diesem Jahr zum fünften Mal mit zahlreichen ausverkauften Konzerten z.T. stehende Ovationen erzielte. Neben Gesangs- und Instrumentaldarbietungen von Meistern ihres Fachs aus zahlreichen Ländern zählte das Morgenland Chamber Orchestra (bestehend aus syrischen, iranischen, aserbaidschanischen und deutschen Musikern) oder der gemeinsame Auftritt von Mitgliedern der Syrian Bigband und der NDR Bigband zu den Höhepunkten.


Sehr ergreifend war ebenfalls der Dokumentarfilm „To be and not to be“ über den iranischen Komponisten und Dirigenten Nader Mashayekhi. Der Film des niederländischen Filmemachers Frank Scheffer portraitiert die Arbeit und Philosophie des iranischen Komponisten und Dirigenten Nader Mashayekhi. Er begleitet Mashayekhi während der Gründung des „Jungen Philharmonischen Orchesters Teheran“, bei Proben mit Werken von John Cage, Gustav Mahler, eigenen Kompositionen und Johann Sebastian Bach. Er vermittelt ein Bild des Iran wie es selten zu sehen ist und geht der Frage nach Hörgewohnheiten und kultureller Identität nach. Diesem Film ist eine ähnliche Verbreitung wie der Dokumentation “Rhythm is it“ der Berliner Philharmoniker zu wünschen.

Der Cultural Contact Point beteiligte sich an der Konferenz und gab den internationalen Festival- und Projektleitern eine Einführung in die europäische Kulturpolitik und die damit einhergehende Förderpraxis.


Dem Festivalorganisator wurde soeben der niedersächsische Praetorius-Friedensmusikpreis verliehen. Der außenpolitischen Schwerpunktsetzung der neuen Europäischen Kulturagenda kommt dieser neue Brückenschlag zwischen Orient und Okzident ebenfalls sehr entgegen. Ob europäische Fördermittel beantragt werden können, wird derzeit noch geprüft.

Link zum Festival: http://morgenland-festival.com